Psychologische und Verhaltensähnlichkeiten zwischen Spielsucht und Daytrading
Die Reaktion des Gehirns auf einen profitablen Trade und einen Casinogewinn ist viel ähnlicher, als man vielleicht denkt. Neurowissenschaftler sagen, dass Aktivitäten wie Daytrading und Glücksspiel die Ausschüttung von Dopamin im Gehirn auslösen, dem Neurotransmitter, der für Wohlbefinden sorgt. Dopamin ist verantwortlich für die emotionalen Höhen und Tiefen, die uns stark involvieren.
Forschungen haben gezeigt, dass die Unsicherheit einer Belohnung sogar süchtiger macht als die Belohnung selbst. Viele Daytrader verspüren einen Adrenalinschub, wenn sie einen steigenden Aktienkurs sehen. Dieses euphorische Gefühl kann zu einem psychologischen Bias führen, der als Illusion der Kontrolle bezeichnet wird, bei dem eine Person glaubt, die zufällige Volatilität allein durch einen schnellen Blick auf Chartmuster absolut genau vorhersagen zu können. Die Illusion der Kontrolle ist ein kognitiver Bias, der sowohl bei Tradern als auch bei Glücksspielern vorkommt.
Wenn Trading vom Bedürfnis nach Dopamin statt von logischer Analyse getrieben wird, ähnelt es in vielerlei Hinsicht dem Glücksspiel. Und hier beginnt das eigentliche Problem. Die Angst, etwas zu verpassen, und andere Biases treiben Menschen zu impulsiven Entscheidungen, während die Volatilität wenig Raum für Fehler lässt.
Professionelles Trading im Vergleich zum Glücksspiel
Professionelles Trading hat einen positiven Erwartungswert, während Glücksspielmechanismen dafür sorgen, dass das Haus mathematisch immer im Vorteil ist.
Professionelle Trader handeln basierend auf mathematischen Wahrscheinlichkeiten. Sie nutzen technische Analyse, Chartmusteranalyse und fundamentale Daten, um ihre Trading-Strategie zu entwickeln. Sie sind nicht vollständig vom Glück abhängig. Sie wissen, dass es klug ist, nur dann zu handeln, wenn potenzielle Gewinne das Risiko überwiegen, alles zu verlieren, und deshalb widmen sie sich dem Aufbau von Trading-Systemen, die ihnen tatsächlich einen Vorteil verschaffen.
Ein weiterer fundamentaler Faktor ist natürlich das Risikomanagement. Ein Glücksspieler kann ein Roulette-Rad während des Spins nicht anhalten, um seinen Einsatz zu retten. Ein Trader hingegen kann das Risiko über Stop-Losses steuern und eine verlustreiche Position rechtzeitig schließen. Die Fähigkeit, Verluste zu begrenzen, macht einen großen Unterschied.
Außerdem können Trader, da Trading eine fertigkeitbasierte Aktivität ist, selbst entscheiden, auf welchen Zeitrahmen und mit welcher Denkweise sie agieren und sich entwickeln. Wer sich mit Swing Trading beschäftigt, hält Positionen über Tage oder Wochen, wodurch das Risiko extremer kurzfristiger Schwankungen verringert wird. Sie haben auch mehr Zeit, ihre Strategien zu überdenken und sich an veränderte Bedingungen anzupassen. Diese Struktur ähnelt dem Glücksspiel deutlich weniger als andere Formen hochfrequenter Operationen wie Scalping Trading.
Professioneller Trader vs Glücksspiel-Trader
Der Unterschied zwischen einem professionellen Trader und einem Glücksspiel-Trader wird durch Denkweise und Umsetzung definiert. Erfolgreiche Trader behandeln den Markt als Beruf. Sie haben einen Plan, dokumentieren jeden Trade und behalten vor allem die emotionale Kontrolle.
Ein Glücksspieler auf den Finanzmärkten hingegen sucht immer nach dem großen Gewinn, dem Jackpot. Er zeigt oft übermäßiges Selbstvertrauen und nimmt Positionen ein, die viel zu groß für sein Konto sind. Viele Glücksspieler, die sich als Trader ausgeben, ignorieren Stop-Losses vollständig. Sie leben in der Hoffnung, dass eine verlustreiche Position sich wendet – ein Verhalten, das als Sunk-Cost-Fallacy bekannt ist und zu noch größeren Verlusten führt.
Ein Glücksspieler lebt von Dopamin-Schüben. Meistens nutzt er sein Smartphone, um impulsiv von überall zu traden, während ein professioneller Trader die Trading-Session mit disziplinierter Ernsthaftigkeit behandelt und strikte Regeln befolgt, um langfristig zu überleben.
Von Trading-Apps bis fehlender Finanzkompetenz: Faktoren hinter problematischem Glücksspielverhalten
Mehrere Faktoren können Trader zu zwanghaftem und problematischem Verhalten wie Glücksspiel treiben. Die COVID-19-Pandemie spielte dabei eine enorme Rolle. Die Situation verschärfte sich, als Lockdowns die Menschen mit Freizeit, Stimuluszahlungen und umfassendem Zugang zu Trading-Apps zurückließen.
Bei der Analyse der Ursachen problematischer Verhaltensweisen zeigt sich eine Kombination der folgenden Punkte:
- Gamification: Moderne Trading-Apps wie Robinhood feiern Trades mit Konfetti und Animationen, was sofortige Befriedigung verschafft – ähnlich wie Glücksspielplattformen.
- Verzweiflung: Menschen, die mit Schulden kämpfen, neigen dazu, auf riskante Aktien-Spekulationen zurückzugreifen, um ihre finanziellen Probleme möglichst schnell zu lösen – was diese letztlich verschärft.
- Marktbedingungen: Phasen extremer Volatilität oder übermäßiger Euphorie schaffen ein schnell-reich-werden-Umfeld, das süchtiges Verhalten belohnt.
- Sozialer Beweis: Das Sehen von leichtem Geld in sozialen Medien schürt FOMO und führt zu riskanten Tendenzen.
Wenn Ihr Trading von einem verzweifelten Bedarf nach Geld motiviert ist, investieren und spielen Sie gleichzeitig, was ein enormes Risiko darstellt.